Norwegenfahrt der Raiderrunde "Rabe von Schwarzenberg", vom 1.9. bis 10.9.2000

Auch wenn der Sommer bereits am abklingen war, zog es uns dennoch gen Norden. Zu viert machten wir uns mit der Bahn auf den langen Weg nach Skandinavien. Wir unterbrachen die Zugfahrt in Dänemark um einen ganzen Tag in dem für sein Rockfestival berühmt-berüchtigten Roskilde Station zu machen. Hier besichtigten wir mehrere Stunden lang das große Wikingermuseum mit Schiffsnachbauten, welche in Originalgröße in der extra angelegten Hafenmole tümpeln.
In Schweden waren wir in den ersten prägenden Spuren des Christentums – hier, in Lund, schütze uns die älteste Kathedrale Schwedens (1080) mit ihren romanischen Mauern vor dem nicht enden wollenden Regen.

 
Die Seilschaft auf dem Gletscher

In Malmö statteten wir der Altstadt einen mehrstündigen Besuch ab, der Regen tauchen alles in ein sehr gedämpftes Licht. Nach einer geruhsamen Nachtfahrt machten wir einen Sonntagmorgenspaziergang in Oslo.
Nachmittags erreichten wir schließlich Finse, der Ausgangsort für unsere Erkundungen von Teilen der Hochebene Hardanger Vidda und des Hardanger Jukkulen. Finse kann nur mit der Bahn erreicht werden, lediglich Fahrräder und Baufahrzeuge kreuzten ab und an unserer Wege.
Am folgenden Tag kletterten wir, mit Steigeisen und Eispickel ausgestattet, in einer Seilschaft, den Rücken einer Gletscherzunge des 1876 m hohen Jokkulen hinauf. Der für Norwegen vergleichsweise kleine Plateaugletscher zeigte uns bei schönstem Wetter seine Reize. Das unter starkem Druck stehende Eis leuchtete bei Sonnenschein stahlblau.

Gletscherspalten und Schneewehen erforderten unsere Aufmerksamkeit. Der Dienstag war der erste Tag unserer dreitägigen Radtour. Der Rallar-Vegen ("Eisenbahnweg") führte uns durch schmale Felsklüfte, an Wasserfällen vorbei über Myrdal -60 km- nach Flåm am Sognefjord.

War der Weg durch Schneefelder überdeckt, war Kreativität gefordert, das Ende des Feldes ohne größere Rutschpartie zu erreichen. Bei Sonnenschein, glaubten wir die Füße in einem Gletscherbach erfrischen zu müssen – nach wenigen Sekunden war klar, dass dies nicht der Richtige Weg war, sich etwas Gutes zu tun. Der harte und grobe Granitschotter der Skanden forderte seinen Tribut: Zwei Räder fielen zeitweise wegen Platten aus. Der folgende Tag begann in Flåm mit einer Fjordfahrt auf der Fähre nach Auerland zum nächstgelegenen Fahradladen. Hier waren wir (mittlerweile wieder Dauerregen) gern gesehene Gäste. Der Regen war auch am folgenden Tag unser treuer Begleiter.
 
Mit den Bikes über die Felsen

Mit der Bahn schraubten wir uns wieder über Myrdal den Pass hinauf nach Upsete. Hier begann ein kleines Tal, es weitete sich jedoch rasch. Ein reißender Bach war ständig an unser Seite, als wir mit rasantem Tempo auf den Rädern wieder auf das Meeresniveau hinab flitzten. In Voss, östlich von Bergen, war die Radtour zu Ende.
In Bergen blieben wir drei Tage. Gamle- (Alt-) Bergen und das Bryggenviertel der alten Hanse gefielen uns besonders. Interessant fanden wir die Möglichkeit, sich mit Rentierwürsten, Walsteaks und Elchhäppchen versorgen zu können. Beeindruckend war die Kirche "Fantoft" am Stadtrand Bergens, ursprünglich eine der ältesten Stabkirchen Norwegens. Nachdem sie 1993 abgebrannt war, erstrahlt sie jetzt wieder in neuem Glanz. Wir versuchten auch, uns Bergen ohne Regen vorzustellen. Da es in Bergen jedoch ohnehin an mehr als 50 Prozent der Tage im Jahr regnet, können wir zurecht sagen, dass wir typisches Wetter genießen konnten.
Nach nur neun bzw. zehn Tagen war die Fahrt für die Ersten schon zu Ende. Zwei besonders Ausdauernde hielten eine weitere Woche aus. Sie wanderten mit Zelt, meist von Regen begleitet, durch die Hochebene Hardanger Vidda, ehe sie wieder mit der Bahn ganz in den warmen Süden, nach Marktbreit, zurück kehrten.