Marktbreiter Raider mit der KPE auf Pfingstfahrt in Marokko

Zum Glück hatte unser Pater Markus im Flugzeug die Bekanntschaft eines deutsch sprechenden Marokkaners gemacht, der mit uns quer durch das Flughafenviertel von Marrakesch zu einer Bushaltestelle marschierte (für uns Neuankömmlinge aus Europa nicht als solche ersichtlich) und dann auf arabisch mit dem Busfahrer einen vernünftigen Preis verhandelte. Nachdem wir dreizehn Raider und Rover dann mit unserem Gepäck eingestiegen waren, konnte leider niemand mehr aussteigen, weil wir die Ausgänge voll blockierten... Spätestens jetzt waren wir in Afrika angekommen.

Für die Zeit in der Stadt Marrakesch, von der Marokko seinen Namen hat, waren wir Gäste der kath. Pfarrei. Dort wurden wir sogar von der Polizei bewacht, die immer vor der Kirche mit 3-4 Mann vertreten war. Diese sollten aber nicht nur die Kirche beschützen, sondern vor allem Moslems den Zugang verweigern; wie man weiß, dürfen Moscheen ja nicht von Christen besucht werden; ergo müssen auch umgekehrt – so die logische Folgerung der marokkanischen Regierung – Kirchen für Moslems tabu sein... Direkt gegenüber der Kirche steht eine Moschee mit einem schönen Minarett, von dem fünfmal am Tag über Lautsprecher die muslimischen Tagesgebete „gesungen“ werden.
Mit unzähligen Fladenbroten ausgerüstet traten wir mit 3 alten „Mercedes 200“–Taxis unsere Fahrt in den Hohen Atlas an. Auf dem steilen und steinigen Fußmarsch vom Dorf Imlil aus kamen uns voll beladene Mulis mit ihren Treibern entgegen. Diese Tiere können eine Last bis zu 100 kg tragen. Mehr oder weniger wilde Ziegen kamen neugierig und hungrig zu uns gesprungen.

Am Wegrand wurden von den Einheimischen immer wieder Schals, Kleidung oder Getränke wie frisch gepresster Orangensaft angeboten. Gegen Abend erreichten wir ein Gebäude des franz. Alpenvereins, auf ca. 3000 m, wo wir unsere Zelte aufbauten. Als die Sonne zwischen den umliegenden Gipfeln verschwand merkten wir, wie empfindlich kalt es auch in Afrika werden kann.

Am nächsten Tag stellten wir uns die Frage: Was steht wohl in einem muslimischen Land auf dem Gipfel eines Berges? Wir machten uns an den „Jbel Toubkal“, den höchsten Berg des hohen Atlas. Im Gipfelbereich ging es wegen der dünnen Luft in der Höhe etwas langsamer voran, bis wir dann auf 4165 Metern ankamen. Man hatte hier eine kleine spitze Pyramide aufgestellt. Fast über das ganze Atlasgebirge und bis in die Sahara konnte man von hier aus blicken. Der Abstieg vom Gipfel war dann eine einzige (geniale) Rutschpartie auf losem Geröll und über angetaute Schneefelder.

Von der geplanten 5-Tages Tour um den Toubkal kamen wir ab, da manche mit der extremen Höhenluft nicht zu Recht kamen. Wir errichteten darum in einem Hochtal unser Basislager und erkletterten jeden Tag einen anderen der umliegenden Gipfel, die bis über 4000 m hoch waren. Wer im Tal blieb bewachte das Lager. Im schroffen Gestein wachsen in diesen Höhen kaum mehr Gräser, geschweige denn Bäume.

Oben diskutierten wir dann, mit einem stärkenden Müsliriegel und der warmen und „UV intensiven“ Sonne im Gesicht, über Gott und die Welt. Abends im Basislager, wenn wir um den Teetopf auf dem Benzinkocher saßen, krochen die Wolken von der Ebene, in die wir hinabschauen konnten, zu uns herauf und verdeckten zeitweise den Mond, der hier äußerst hell war. Als die Fladenbrote rar und auch schon etwas härter geworden waren, brachen 9 Raider und Rover unserer Gruppe wieder nach Marrakesch auf; die restlichen 4 wollten noch einen weiteren Gipfel machen und kamen einen Tag später hinterher.

In der Marrakesch widmeten wir uns ausführlich der Stadt mit ihrer beeindruckenden mittelalterlichen Stadtmauer, den Gärten mit Palmen oder Bananenstauden und den einst so prunkvollen Palästen. Wir schlenderten durch die ausgedehnten Basare in denen ein schmaler Laden neben den nächsten gereiht war. Da wurden Antiquitäten, „Markenartikel“ wie Handtaschen, Schuhe oder Kleidung, Gebäck, und Holzarbeiten angepriesen. Hierbei erlernten wir schnell die Kunst des Handelns um z.B. Eintrittspreise. Als alte französische Kolonie wird in Marokko von den meisten Französisch gesprochen, viele verstehen aber auch Englisch. Auf dem großen Platz der Stadt sahen wir Schlangenbeschwörer mit Kobras, Araber mit kleinen Äffchen, Tänzer und viele Stände an denen z.B. wieder der frisch gepresste Orangensaft feilgeboten wurde.

Von den Verkäufern wurde man eifrig umworben, wenn man auch nur einen Blick des Interesses auf den Stand warf; dabei riefen sie laut, winkten und streckten 2 oder 3 Finger einer Hand nach oben. Das bedeutete 2 bzw. 3 Dirham pro Glas Saft, also weniger als 20/ 30 Cent (die dortige Währung ist Dirham, kurz DH; 1 € ? ca.11 DH). Besonders nachts ist dieser „Platz der Gaukler“, wie er auch genannt wird, sehr belebt, wo sich dann auch allerlei zwielichtige Gestalten herumtreiben. Abends ist wegen den angenehmeren Temperaturen mehr auf den Straßen los; tagsüber ist es immer sehr sonnig und mehr als 40° C heiß; Marokko hat nur 2 Regentage im Jahr.

Nur noch wenige Menschen kleiden sich dort traditionell; vor allem alte Menschen und einige Frauen tragen noch weite Gewänder mit spitzer Kapuze oder der runden Kopfbedeckung der Muslime und Kopftücher. Sonst ist eine starke Orientierung an europäischen Normen zu erkennen. Von den Einwohnern der Stadt wurden wir sehr interessiert aufgenommen. So passierte es, das wir als Deutsch willkommengeheißen und nach dem woher und wohin ausgefragt wurden. Manch einer wollte uns in sein Geschäft einladen und uns gar nicht mehr wieder weglassen bis etwas gekauft wurde. Wer dort eine Straße überqueren will darf sich nicht nach den Verkehrszeichen orientieren, sondern muss sich einfach zwischen den fahrenden Autos hindurchschlängeln. Denn den Autofahrern fällt es auch bei einer roten Ampel selten ein, ihre rasante Geschwindigkeit zu verringern.

Mitten in der Nacht fuhren wir dann mit dem Reisebus nach Fès. Ohne es im Schlaf zu registrieren, hatten wir bis zum Morgen die wichtigsten Städte Marokkos passiert: Casablanca, Rabat (Hauptstadt) und Meknès. Fès ist in die Altstadt aus dem Mittelalter und eine „ville nouvelle“, den neuen Stadtteil, gegliedert. In dieser „ville nouvelle“ wurden wir in der (einzigen) katholischen Pfarrei von 4 Studenten, die dort tätig waren, betreut. Sie führten uns durch die Altstadt und zeigten uns den Palast, den der König von Marokko gerne aufsucht, da ihm die Stadt so gut gefällt.

Wir erkundeten mit unseren Führer den Stadtkern mit ihren unzähligen schmalen Gassen, Läden und Handwerkshöfen. Von einem Einwohner wurden wir auf einen Balkon geführt von dem aus man die Gerberei der Stadt überblicken konnte. Gegen den Geruch hatte jeder am Eingang einen Stängel Minze bekommen, an dem man schnuppern konnte. Wir sahen auf einen riesigen Hof hinab, in dem sich aus Lehm geformte Behälter befanden. In diesen werden die Felle zur Konservierung in Ammoniak-haltigem Taubenmist eingelegt. In anderen Bottichen wurde Leder in einer roten, orangefarbenen oder bläulichen Suppe eingefärbt. Auf den umliegenden Dächern waren die Häute zum Trocknen ausgelegt.
Von dem Balkon aus konnten wir gut die Stadt mit ihren erdfarbenen Häusern mit Flachdach und mindestens 4 Satellitenschüsseln überblicken. Der Abreisetag brachte noch einmal stattliche 50° C und dann ein Gewitter, das uns mit „leichten Turbulenzen“ Richtung Frankfurt Hahn verabschiedete.