Sommerlager 2003: Eurojam in Polen

Unter einem Jamboree versteht man ein großes Treffen oder eine große Zusammenkunft von Pfadfindern. Etwa alle 10 Jahre hält die UIGSE (Union internationale des Guides et Scouts d’Europe), eine katholische europäische Pfadfinderorganisation zu der auch die KPE (Katholische Pfadfinderschaft Europas) gehört, eine solche Zusammenkunft ab. Zu dem „Eurojam“ 2003, das in Zelasko in Polen vom 1. bis 11. 8. 03 abgehalten wurde, kamen ca. 8500 Pfadfinder und –innen aus 21 Nationen, aus 20 europäischen Ländern und aus Kanada, davon waren 18 aus Marktbreit.

 
Die Pfadfinder des Marktbreiter Trupps

Am 31.Juli um 11Uhr sammelten sich 16 Marktbreiter Pfadfinder und eine Pfadfinderin an den Gruppenräumen in der Marienkirche, um das vorbereitete Gepäck aufzunehmen und um noch einmal die Fahrt durchzusprechen. Um 12.05 Uhr fuhr dann der Zug in Richtung Tschechien ab, von wo aus es dann nach zwei Stunden Aufenthalt in Eger (Cheb) und einer für viele schlaflosen Nacht im Zugwaggon weiter nach Polen ging. Dort stiegen wir um ca.5 Uhr am Bahnhof in Zawiercie aus, um mit dem Bus weiter nach Zelazko zu fahren, was in diesen Tagen der Zielort von 8500 Pfadfindern aus 21 Ländern war. Den angebrochenen Tag nutzten die beiden Marktbreiter Sippen Eichhörnchen und Luchs, um ihre Kohten und einen Teil ihrer geplanten Lagerbauten aufzubauen, während die Truppführung ebenfalls ihre Kohte errichtete.

Fünf Pfadfinder und –innen zelteten in Roverlagern und verrichteten allgemeine Dienste. Die nächsten beiden Tage verbrachten der Marktbreiter Pfadfindertrupp hauptsächlich damit, seine Bauten für die nächsten zehn Tage fertig zu stellen. Wegen der hohen Waldbrandgefahr konnten wir allerdings keine offenen Feuerstellen errichten, stattdessen wurden auf einer Lichtung Eisenöfen bereitgestellt, was für uns ein seltener Luxus war. Außerdem mussten wir uns nicht mit Donnerbalken begnügen, sondern bekamen komfortable Dixi-Klos. Das Eurojam war in ein Mädchen- und ein Jungenlager und in nationale Biwaks aufgeteilt, wo jeweils ein Land unter sich war und gemeinsam Morgenrunden mit Banneraufzug sowie hl. Messen abhielt.
 
Teilnehmer des deutschen Jungenlagers

Ein eigenes Team von journalistisch erfahrenen Pfadfindern und -innen gab auch jeden Tag eine neue Ausgabe der „Daily Zelazko“, einer professionell erstellten und gedruckten Zeitung, die über das Lagerleben in den verschiedenen Biwaks und über die gemeinsamen Aktivitäten in den verschiedensten Sprachen, bunt gemischt, meist in der Muttersprache des Autors, berichtete.

 
Eindrücke von der Eröffnungsfeier

Am Sonntag war die große Lagereröffnung, wobei alle Pfadfinder des Eurojams auf einer Wiese zusammen kamen. Feierlich wurden an einem Lagerkreuz die Europafahne, die Fahne der katholischen Europapfadfinder und die Fahne des Gastgeberlandes sowie zu beiden Seiten an Flaggenmasten die Fahnen der übrigen teilnehmenden Länder aufgezogen. Die feierliche Zeremonie in Anwesenheit von Politikern, Bischöfen und sonstigen Honorationen wurde durch Ansprachen in mehreren Sprachen eingeleitet. Jeder Pfadfinder hatte von zu Hause auf das Lager ein Holzscheit mitgebracht, die Truppführer brachten die Scheite ihres Trupps zu einem zentralen Ort und mit allen Scheiten wurde nun ein riesiges Feuer entzündet.

Dieser Akt sollte symbolisieren, dass sich jeder Pfadfinder einbringt und dazu beiträgt feurig am gemeinsamen Haus eines christlichen Europas mitzubauen. Der Schwerpunkt des Eurojams waren Partneraktivitäten zwischen Sippen verschiedener Nationalitäten, womit wir auch die nächsten drei Tage verbrachten und einige Freundschaften schlossen. Mit einem Trupp aus dem Umkreis von Rom führten wir ein technisches Atelier durch: sie hatten für uns eine Arbeit mit Karte und Kompass vorbereitet, wobei die Sippe Eichhörnchen den Bau von Pfeifen aus Holz vorstellte. Die Luchse zeigten, wie man polynesische Wurfpfeile herstellt, die bis zu 80 Meter weit fliegen.

Mit Pfadfindern aus Clermont-Ferrand in Frankreich, mit denen wir uns besonders gut verstanden, machten wir ein gemeinsames Abendessen, wobei jede Sippe ein landestypisches Gericht kochte und den Partnern servierte. Die Franzosen waren unerwarteterweise ganz begeistert von unseren Klößen. Mit italienischen Pfadfindern aus Vicenza machte jede unserer Sippen einen eintägigen Hajk, dabei hatten wir in der Nähe des Lagerplatzes eine Kirche zu erkunden. Unsere Truppführung hatte sich in diesen Tagen auch auf den Bau einer „Kellerbar“ konzentriert. Sie hatten ein ca. 2 Meter tiefes und 4 auf 2 Meter breites Loch gegraben, mit Holzstämmen im Landhausstil verkleidet und mit Sitzbank versehen. Dort war es tagsüber bei der heißen Witterung nicht zu warm und abends nicht zu kalt. Dieser Keller wurde auch zu mancher nächtlichen Singerunde genutzt. Am Donnerstag fand dann das wohl größte Ereignis des Eurojams statt: die gemeinsame Wallfahrt nach Tschenstochau, dem bekanntesten Wallfahrtsort Polens, wo sich das legendäre Gnadenbild der Schwarzen Madonna befindet.

 
Marktbreiter und italienische Pfadfinder

Mit unendlich vielen Bussen wurden um 5 Uhr morgens die über 4000 Pfadfinder und um 6 Uhr die über 4000 Pfadfinderinnen jeweils in einem Konvoi in den etwa 60 km entfernten Wallfahrtsort transportiert. Zuerst gingen wir truppweise in die Gnadenkapelle, wo jeder das Originalbild der Schwarzen Madonna von Tschenstochau sehen konnte. Später hielt uns Kardinal Glemp, der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz bei strahlendem Sonnenschein eine 2½-stündige hl. Messe, dabei wurde auch der Brief, den der Papst an uns Pfadfinder geschrieben hatte, vorgelesen.

 
Pfadfindertechnik auf höchstem Niveau

Kardinal Glemp kannten wir vom Abend davor. Er besuchte unser europäisches Lager in Zelasko, machte auch im deutschen Biwak Station und sprach auch einige Worte in deutsch zu uns. In der Nähe des Heiligtums in Tschenstochau wimmelte es nach der Messe nur so von Pfadfindern und –innen. Wir hatten viele Gelegenheiten der Begegnung bei der Agape im Anschluss an die hl. Messe. Nach altem christlichen Brauch boten die Pfadfinder anderen Brot, das sie am Abend davor im Lager zu diesem Zweck gebacken hatten, als Liebesgabe an. Dies war ein freudiges Ereignis der Begegnung zwischen Jugendlichen aus den verschiedensten Ländern.

Auch hatten wir Gelegenheit die Souvenirläden zu besuchen bevor sich von dem riesigen Parkplatz hinter der Wallfahrtskirche die Buskonvois wieder in Richtung Zelasko bewegten. Am Tag darauf war der Gemeinschaftstag (dies communionis) angesagt. Wir nutzten diese Zeit im Lager herumzulaufen und die Biwaks anderer Länder zu besuchen und mit den Pfadfindern zu sprechen sowie Gäste in unserem Lager willkommen zu heißen. Dabei wurde viel Tauschhandel mit Halstüchern, Abzeichen usw. betrieben, dauernd wurde man gefragt: „change!?“. Am Samstag fand die letzte Partneraktivität statt. Mit dem Trupp, mit dem wir auch den Hajk gemacht hatten, spielten wir einige lustige Spiele. Am Sonntag baute jede Sippe ihre Lagerbauten ab und begab sich dann wieder auf die große Wiese zur Schlusszeremonie. Mit einer heiligen Messe, die der Bischof von Sosnowitz zelebrierte, wurde das Lager offiziell beendet. Jeder Pfadfinder erhielt im Anschluss an die Messe, am riesigen Altar, den französische Rover in Pfadfindertechnik riesengroß und wunderschön in der Form eines Schiffes gebaut hatten ein kleines Geschenk: einen Brocken Salz aus dem nahen Bergwerk von Krakau. Das Lagermotto hieß: „Duc in altum“, was sinngemäß heißt fahr hinaus auf den See. Wir Christen wurden daran erinnert, dass wir das Salz der Erde sein sollen und den christlichen Geist mit in unsere Umgebung nehmen und durch unser Leben verkünden sollen. Unbeschreiblich war die Freude und das bunte Treiben im Anschluss an die Messe. Jede Gruppe machte noch Erinnerungsfotos und überall wurden voller Begeisterung Fahnen geschwenkt. Adressen und Abzeichen wurden ausgetauscht, die Jugendlichen verständigten sich auf vielfältige Weisen. Nach und nach leerte sich der Platz, bei manchen Gruppen warteten schon die Busse zur Abfahrt.
Wir Marktbreiter blieben noch eine Nacht. Nachdem wir am nächsten Morgen unsere Kohten abgebaut, unsere Rucksäcke gepackt und unseren Lagerplatz wieder in seinen ursprünglichen Zustand gebracht hatten, begab sich unser Trupp per Bus nach Krakau. Ein freundlicher polnischer Lagerpfarrer, zu dem unsere Führung auf dem Lager Verbindung aufgenommen hatte, nahm uns für zwei Tage in seiner Pfarrei auf. Am nächsten Tag machte jede unserer Sippen eine Stadterkundung, wobei wir uns vor allem über die Geschichte und Legenden Krakaus informieren mussten. Dabei stellten wir fest, dass besonders die Krakauer Innenstadt nicht nur wegen der prächtigen Marienkirche mit dem berühmten Altar von Veit Stoß sehr sehenswert ist. Später wurden wir mit dem Pfarrer von unserer Truppführung in ein ägyptisches Restaurant zum Abendessen eingeladen. Am nächsten Morgen zeigte uns der Pfarrer die Universität von Krakau mit ihrer großen Bibliothek, dort hatte er studiert.
Danach verabschiedeten wir uns und fuhren mit einem Bus in Richtung Heimat bis zur polnisch-tschechischen Grenze. Auf tschechischer Seite bestiegen wir den Zug und fuhren über Nacht weiter nach Deutschland. Am Nachmittag des 14. August erreichten wir den Marktbreiter Bahnhof. Dort veranstalteten wir noch eine kleine Abschiedsrunde, dann trennten sich unsere Wege und jeder ging mit schönen Erlebnissen nach Hause. Erfreulicherweise haben wir noch Ferien und können die vielen interessanten und bereichernden Eindrücke in Ruhe verarbeiten.